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Motorrad fahrenin Franken

Der Motorrad-Guide in Franken: die besten Strecken, Touren, Streckensperrungen, Sehenswürdigkeiten und Anreise.

Franken ist keine Verwaltungseinheit, sondern eine Kulturlandschaft, die sich über vier Bundesländer verteilt. Den größten Teil stellt der bayerische Norden mit den drei Bezirken Oberfranken (um Bayreuth), Mittelfranken (um Ansbach) und Unterfranken (um Würzburg); Ränder greifen nach Hessen, Thüringen und Baden-Württemberg über. Namensgeber ist der Main: Oberfranken liegt an seinem Oberlauf, Unterfranken am Unterlauf, Mittelfranken dazwischen. Für den Motorradfahrer heißt das zunächst: kein Hochgebirge, keine Passschilder mit vierstelligen Höhen. Dafür ein dicht gestaffelter Kranz von Mittelgebirgen, die sich auf engem Raum abwechseln und kurze Wege zwischen sehr unterschiedlichen Streckencharakteren erlauben.

Motorradfahren in Franken

Das Kernrevier liegt im Zentrum: die Fränkische Schweiz, der nördliche Ausläufer der Fränkischen Alb, die sich von Süd nach Nord durch Mittel- und Oberfranken zieht. Leitachse ist die B470, die von Forchheim flussaufwärts dem Lauf der Wiesent folgt, über Ebermannstadt, Streitberg und Muggendorf bis Behringersmühle, und dort ins Püttlachtal Richtung Pottenstein abbiegt. Der Charakter ist typisch für die Region: enge, kurvenreiche Talstrecken, die sich an kleinen Flüssen entlangschlängeln, dazwischen kurze, steile Anstiege auf die Hochflächen. Zwischen bewaldeten Dolomitfelsen und Wacholderhängen wechseln sich Serpentinen und lange Talbögen ab. Neben dem Wiesenttal sind es vor allem die Seitentäler von Aufseß, Ailsbach und Leinleiter, die das enge, verzweigte Streckennetz ausmachen; auf kurzer Distanz reihen sich Ortsdurchfahrten, Brücken und Kehren dicht aneinander. Wer die B470 verlässt und auf die schmalen Nebenstraßen der Albhochflächen abbiegt, findet den ruhigeren, weit geschwungenen Teil des Reviers mit langen Sichtachsen über die karge Karstlandschaft. Dieser Kontrast aus tief eingeschnittenen Flusstälern und offenen Hochflächen prägt das Fahren im gesamten Zug der Fränkischen Alb.

Im Nordosten Oberfrankens, an der Grenze zu Tschechien, steht das höchste Stück Franken: das Fichtelgebirge. Hier liegen der Schneeberg mit 1051 Metern, das Dach Frankens, und der Ochsenkopf mit 1024 Metern, die einzigen Erhebungen der Region jenseits der Tausendermarke. Einsame, kurvige Straßen ziehen durch ausgedehnte Fichtenwälder, vorbei an verwitterten Felsburgen und stillen Seen wie dem Fichtelsee. Durchgangsachse ist die B303, die das Gebirge Richtung tschechische Grenze quert; abseits davon wird es schnell leer. Die Höhenlagen tragen kühlere Luft und eine kürzere Saison als die Maintäler, dafür ist die Waldkulisse hier am dichtesten und das Streckenbild geschlossen und ruhig.

Nördlich davon, an der thüringischen Grenze, schließt der Frankenwald an, eine Hochfläche mit tiefen Wäldern, hellen Lichtungen und überraschenden Ausblicken. Höchster Punkt ist der Döbraberg mit 794 Metern; von seinem 1902 errichteten Prinz-Luitpold-Turm reicht der Blick bis ins Fichtelgebirge und zum Thüringer Wald. Die Strecken sind hier weiter gezogen und ruhiger als in der Fränkischen Schweiz, der Verkehr dünner, das Fahren gleichmäßiger.

Motorradfahren in Franken

Den Gegenpol zur engen Fränkischen Schweiz bildet die Rhön im Nordwesten, im Dreiländereck von Hessen, Thüringen und Bayern. Ihr Beiname „Land der offenen Fernen" beschreibt das Fahrgefühl genau. Die Hochrhönstraße zieht sich über rund 25 Kilometer über ein weitgehend waldfreies Plateau, erreicht östlich von Heidelstein und Stirnberg gut 840 Meter und fällt hinter dem Schwarzen Moor in Serpentinen nach Fladungen ab. Einer der höchsten Berge der bayerischen Rhön ist der Kreuzberg mit 928 Metern. Statt enger Täler dominieren hier offene Kurven, weite Kammlagen und lange Horizonte, ein anderer Rhythmus als im fränkischen Kernland.

Nach Westen läuft Franken im Spessart aus, einem der größten zusammenhängenden Laubwaldgebiete Deutschlands an der Grenze zu Hessen: bewaldet, kurvig, mit langgezogenen Waldstrecken abseits des Verkehrs. Zentral zwischen den drei Bezirken liegt der Steigerwald, ein hügeliges Wald- und Weinland mit sanften, gut einsehbaren Kurven über bewaldete Höhenrücken, nördlich des Mains die bewaldeten Haßberge. Diese westlichen und zentralen Landschaften sind flacher und weiter angelegt als die schroffe Alb im Osten und eignen sich für zügiges, entspanntes Fahren zwischen Wald und Weinbergen. Über allem liegt der Main als verbindende Achse, der in großen Schleifen, am bekanntesten die Mainschleife bei Volkach, durch das unterfränkische Weinland mäandert. Weiter südlich, in Mittelfranken, öffnet sich mit dem Fränkischen Seenland eine flachere, seenreiche Gegenwelt zu den Mittelgebirgen, gut geeignet als ruhiger Abschnitt zwischen zwei kurvigen Etappen.

Was das Revier ausmacht, ist genau dieser Wechsel. Franken lebt nicht von einzelnen spektakulären Passhöhen, sondern von Kurvendichte und Abwechslung auf kleinem Raum: enge Flusstäler mit Felskulisse in der Fränkischen Schweiz, steile Rampen auf die Albhochflächen, weite Kammlagen in der Rhön, geschlossene Waldschneisen im Fichtelgebirge, Frankenwald und Spessart, dazu die milden Weinhänge am Main. Die Übergänge zwischen diesen Landschaften sind kurz; wer morgens die Talkurven der Fränkischen Schweiz fährt, kann nachmittags auf den offenen Höhen der Rhön stehen, ohne lange Autobahnetappen dazwischenzulegen.

Das Wasserschloss Mespelbrunn mit rundem Turm hinter Bäumen
Wasserschloss Mespelbrunn im Spessart

Für die Planung spielt das Höhenprofil mit. Die Tallagen an Main, Wiesent und Regnitz sind mild und über weite Teile des Jahres befahrbar, während die Kammlagen von Fichtelgebirge und Rhön länger kühl bleiben und im Frühjahr später abtrocknen. In Summe ergibt sich eine lange, gut planbare Saison: Wer im Vorfrühling oder Spätherbst unterwegs ist, hält sich an die geschützten Flusstäler, im Hochsommer lohnen die luftigen Höhen der Rhön und des Fichtelgebirges. Getragen wird das Ganze von einem dichten Netz gut ausgebauter Land- und Bundesstraßen, das die einzelnen Gebirge verbindet. Genau darin liegt der Reiz Frankens als Motorradregion: ein Revier für Fahrer, die Kurven, Landschaftswechsel und überschaubare Distanzen einem einzelnen Höhenrekord vorziehen.

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